In der vergangenen Woche hatte ich sehr viele spannende Begegnungen, bekannte und neue Menschen und jedesmal hüpfte mein Herz ein bisschen. Ich war so lange alleine unterwegs letztes Jahr und auch in diesem Jahr habe ich viel Zeit in der Solitude verbracht, da spüre ich, wie meine Neugier auf Menschen wieder neu entfacht ist. Und wie ich alte Bekannte und Freunde, sogar meine Söhne, mit neuen Augen sehe. Wie herrlich!
Wir alle begegnen im Laufe unseres Lebens Tausenden von Menschen und doch bleiben nur wenige in unserer inneren Landschaft zurück. Im vergangenen Jahr traf ich in Sri Lanka die wunderbare Katja, als wir uns Blut abzapfen lassen sollten. Die tiefe schöne Seele von Susanne, der ich bei einem gemeinsamen Essen begegnete. Und meine Seelenverwandte Gabriele, die ich erst auf den zweiten Blick als eine jahrelang bewunderte Pferdefotografin erkannte. Wie beglückt reiste ich ab, um auf Bali Alexandra, Andrea und Christine zu begegnen und dann im Pool Melanie und Svenja kennenzulernen. Zweimal sass ich im Boot mit Claire und Lucy um Delfine zu sehen. Das waren spannende Morgen auf dem Wasser! In Lombok traf ich Nova, ein grossartiger Mensch, der jahrzehntelang für eine Pilgerreise nach Mekka spart. Auf dem Segeltörn traf ich die allerschönsten Menschen, mit denen ich durch das Auge eines Sturm segelte. Und dann weiter, immer weiter, bis ich in der Bretagne einige Kapriolen mit Thomas und Alexandre schlug und in Jersey alte Freunde umarmte. Ach und die grossartige Zeit in der Ardeche mit meinen liebsten Beiden, Carina und Beat! Und dann Irland, mein liebstes Land. Al und Tommy und Ruth und Marleen. Das ganze Jahr war voller wundervoller Begegnungen und die hier erwähnten begleiten mich immer noch. Was für einen goldigen Reichtum habe ich da eingesammelt in der Welt. Sie fügen sich kinderleicht ein in die Reigen meiner liebsten Menschen hier in der Schweiz und in Deutschland.
Von den vielen Menschen, denen wir begegnen, bleiben nur Wenige in unserem Herzen, ganz nah bei uns. Andere sind Komparsen, laufen uns über den Weg und hinterlassen nichts. Manchmal klickt es zwischen Menschen und manchmal eben nicht.
Es gibt eben Begegnungen, die zu einem Gespräch, einem Dialog werden. Andere, die nur ein Vorübergehen sind, quasi eine Art Besucher, die nur kurz verweilen. Und dann die, die wir wieder erkennen. Quasi als Resonanz zu unserem eigenen Herzen.
Ich glaube: wir begegnen am liebsten den Menschen, die etwas in uns zum Klingen bringen. Und das kann immer wieder etwas Unterschiedliches sein. In der vergangenen Woche traf ich zwei Frauen, mit denen ich solidarische Seelenverwandtschaft fühlte. Einen herrlich verpeilten Typen, der Kapriolen schlug und mich mit seiner Freiheit und seinem Humor und seinem Chaos abholte. Eine tiefe, feine Seele, die mich mit Melancholie berührte. Was für eine ereignisreiche Woche. Und es geht ja immer weiter. Ich staune über die Lebensklugheit meines Sohnes. Über den herrlichen lustigen Physiotherapeuten, der mich mit seinem trockenen Schalk inspiriert. Über die grosszügige Freundlichkeit von Menschen, die ich im vergangenen Jahr noch nicht so nah hatte. Ich staune und staune und freue mich über die vielen wertvollen, bereichernden Kontakte die ich erleben darf.
Vielleicht bleiben wir manchmal nicht im Leben der Anderen oder sie in unserem. Aber: Eine gute Begegnung, ist eine, die etwas hinterlässt.
Ich war lange mit einem Künstler aus Baselland befreundet. Viele Jahre hatten wir Kamingespräche vor seinem, meinem oder dem Kamin im Trois Rois in Basel. Die Wärme unserer Gespräche war immer noch tagelang fühlbar für uns beide. Schliesslich haben wir uns aus den Augen verloren, aber die Erinnerung ist immer die selbe: Warm und fein, tief und kunterbunt. Ein Lebensbegleiter, den ich nicht missen möchte, auch wenn sich unsere Wege getrennt haben.
Vielleicht sind die wertvollsten Begegnungen nicht mit den beeindruckendsten Menschen, sondern die mit jenen, bei denen wir aufhören können, jemand sein zu müssen. Bei ihnen müssen wir uns nicht erklären, nicht beweisen, nicht anpassen. Wir dürfen einfach sein. Und vielleicht erkennen wir gerade daran unsere Seelenverwandten. Nicht daran, dass sie uns verändern wollen – sondern daran, dass wir in ihrer Nähe mehr wir selbst werden.
Wir sind nicht ein abgeschlossenes Individuum – vielmehr glaube ich, durch die Begegnungen formen wir schliesslich denjenigen, der wir selbst sind. Wir werden quasi ein Mosaik aus Begegnungen, jeder und jede, die wertvoll sind für uns, fügen ein Teil hinzu oder lehren uns etwas, das uns verändert oder unsere Sicht auf die Welt bereichert.
Manchmal fühlen wir uns angezogen von einem Menschen, der uns etwas spiegelt, das wir in uns selbst vergessen haben. Und jemanden kennenlernen könnte ja auch heissen: Wir haben den Menschen nicht gesucht, sondern er tauchte auf, im richtigen Moment mit dem einen Satz, den wir gerade hören mussten.
Wir gehen durchs Leben und glauben, wir würden Menschen begegnen. Vielleicht ist es manchmal aber genau umgekehrt: Vielleicht sind es genau die Menschen, die erscheinen, damit wir uns selbst ein Stück näher kommen. Am Ende erinnern wir uns besonders an jene, die etwas in uns zum Leuchten gebracht haben.
Ich bin reich beschenkt. Gerade denke ich an meinen philosophischen nachdenklichen Freund Reino, der nun diesen Blog liest und in dem eine Saite zum Klingen kommt. An Sabine, die reich beschenkt aus Japan zurück gekehrt ist, diesen Blog liest und sich an Menschen erinnert, denen sie auf ihrer Reise begegnet ist. An Charlotte, die diesen Blog liest und unser nächtliches Gelage von letzter Woche erinnert. An Jan, der seit 2018 jede Woche diesen Blog liest und dann vielleicht an den Moment auf der Klippe in Jersey denkt. An Heiri, der diesen Blog liest und schmunzelt und seine Liebste anschmachtet als grosses Geschenk einer letzten Liebe.
Menschen, bunt wie ein Potpourri, alle ganz unterschiedlich. Mein Herz ist voll mit den wunderschönen Menschen in meinem Leben. Was brauche ich Gold und Tant!
Ach, und um das nicht zu vergessen:
La vie! et les gens – sont belle! – Das Leben und die Menschen sind schön!


















